Wenn Kinder vom Krieg wissen

Oder:

Warum Du unbedingt darauf achten solltest, was Dein Kind vom Krieg mitbekommt!

Die aktuelle Situation überfordert nicht nur uns Erwachsene. Auch Kinder sind damit überfordert. Was sie eventuell durch Nachrichten erfahren oder in Gesprächen hören, beschäftigt sie. Oft sind es nur Gesprächsfetzen oder Bruchstücke. Diese können sie nicht alleine verarbeiten. Schon gar nicht, wenn sie dabei noch wahrnehmen, dass Erwachsene verängstigt, wütend, ohnmächtig oder traurig sind. Kinder haben dafür verdammt feine Antennen. Sie brauchen Erklärungen!

Gefühle ernst nehmen

Egal wie alt ein Kind ist, es muss mit seinen Gefühlen und inneren Konflikten wahr- und ernstgenommen werden.

Eltern sollten sich der Angst stellen, über die eigenen Gefühle und Wahrnehmungen mit ihren Kindern zu sprechen. Denn allein das Hineinspüren in die Kinder und das Nachfragen ist tröstlich für sie. Sie fühlen sich dadurch ernst genommen und nicht mehr alleine damit. Kinder sind fühlenden Wesen, die Unterstützung brauchen sich selbst zu verstehen.

Wichtig bei Gesprächen über den Krieg ist es offene Fragen zu stellen. Also Fragen, bei denen das Kind die Möglichkeit bekommt über sich zu reden, ohne nur mit Ja und Nein antworten zu können.

  • Was hast Du denn gehört/ gesehen?
  • Wie fühlst Du Dich damit?
  • Warum bist Du traurig, wütend usw.? Oder: Was macht Dich traurig, wütend usw.?

Nimm bitte keine Antworten vorweg. Erkläre Dich sich selbst nur wenn Dein Kind danach fragt! Bleib beim Interesse des Kindes! Manchmal sind nur ein paar Informationen nötig. Manchmal fehlen dem Kind die Worte, für seine eigenen Gefühle. Sei achtsam und biete dem Kind Worte an, die seine Gefühle wieder spiegeln könnten. Aber dränge sie nicht auf. Das Kind weiß, wann es passt!

Altersgerecht erklären

In jedem Fall ist es wichtig, dass Kind nicht mit den eigenen Wahrnehmungen und Gefühlen zu überrennen. Je nach dem, wie alt Kinder sind, interessieren sie ganz unterschiedliche Aspekte der Zusammenhänge. Das kann den Krieg direkt betreffen, wie er entsteht, wie er abläuft oder wer verantwortlich ist. Das kann auch die betroffenen Menschen betreffen, die im Kriegsgebiet leben.

Hier ist es wichtig ehrlich zu bleiben. Sie können nichts erklären, was sie nicht erlebt haben. Sie können aber gemeinsam überlegen, wie es wohl sein könnte.

Mein Schatz, ich weiß es nicht! Aber ich kann mir vorstellen, dass die Menschen Angst haben.

Die eigenen Gefühle sollten sich dabei nicht mit denen der Kinder vermischen. Allerdings sollte auch dann eine ehrliche Antwort erfolgen, wenn das Kind fragt, warum es bei Dir Trauer, Wut usw. spürt. Die Familie wird durch alle Emotionen beeinflusst und das spüren Kinder sehr deutlich. Kindern fehlt Erfahrung und Weitsicht. Sie sind noch nicht in der Lage in großen Zusammenhängen zu denken und beziehen Unausgesprochenes schnell auf sich selbst. 

Antworte auf die Fragen einfühlsam und Hoffnung gebend. Zuversicht und Sicherheit suchen Kinder immer zu erst zu Hause bei den Eltern.

Eltern haben auch Ängste und andere unangenehme Gefühle

Der Krieg schockiert viele Menschen. Manche sind sogar selbst davon betroffen, weil Familienmitglieder in Kriegsgebieten leben oder zum Einsatz müssen. Was können Eltern tun, um mit ihren eigenen Gefühlen so umzugehen, dass Kinder möglichst wenig belastet werden?

Das ist eine Frage der Haltung und der eigenen Auseinandersetzung.

Es ist wichtig sich selbst erst einmal damit zu beschäftigen und die Gefühle nicht wegzuschieben. Sprich mit Freunden, dem Partner oder einem Arzt oder Therapeuten darüber.

Dem Kind sollten die eigenen Gefühle mit einfachen Worten, möglichst sachlich erklärt werden. Eltern können sagen, dass es für sie selbst gerade schwierig ist. Dabei darf auch geweint werden.

Achte allerdings darauf in Deiner inneren Haltung den eigenen Ängsten nicht übermäßig Ausdruck zu verleihen. Das würde das Kind überfordern. Schaffe einen Raum der Sicherheit. Wenn Du Dich vorher schon damit auseinander gesetzt hast, wird es Dir leichter fallen, darüber zu reden.

Sicherheit entsteht bei Kindern vor allem dann, wenn das, was sie spüren zu dem passt, was die Eltern sagen. So müssen sie nicht an sich und ihren eigenen Gefühlen zweifeln.

Warum gibt es diese Kriege?

Die Frage nach dem “Warum” des Krieges kannst Du genau so ehrlich beantworten. Du weißt höchst wahrscheinlich nicht, was erwachsene Menschen bewegt anderen Menschen wehtun zu wollen. Das Kind lernt, dass auch Du Fragen hast. Eltern sind keine Übermenschen.

Wie wäre es, wenn Du die Frage an Hand eines Streits um ein Spielzeug zusammen mit Deinem Kind beleuchtest. Vielleicht fällt Euch eine Situation ein, die bei Deinem Kind blinde Wut ausgelöst hat. Erkläre, dass es Erwachsene gibt, die nicht gelernt haben, wie man seine Wut kontrolliert und Streits einigermaßen friedlich löst.

Natürlich spielen noch wesentlich mehr Zusammenhänge mit hinein und der Vergleich hinkt gewaltig. Für ein Kind muss es aber mit Erfahrungen aus dem eigenen Leben vergleichbar sein, sonst kann es das Unbegreifliche nicht verarbeiten. Das gelingt uns oft als Erwachsene nicht einmal.

Hilft da auch Ablenkung?

Ja, auf jeden Fall!

Auch unser Alltag bleibt nicht stehen. Es ist sehr wichtig, dass man alltägliche Aufgaben erledigt, normal weiter macht, raus geht, sich bewegt. Ablenkung tut gut! Schäm Dich nicht, wenn alles etwas schwieriger erscheint. Aber lass auch fröhliche Momente zu. Gute Gefühle sind wichtig!

Es nützt niemandem, wenn wir uns nicht mehr normal verhalten. Auch in Schwierigen Zeiten gehören zu uns unangenehme UND angenehme Gefühle. Wenn wir den angenehmen Gefühlen keinen Platz schaffen, ist das ungesund! Lachen ist erlaubt und sollte ärztlich verordnet werden! Harte Zeiten werden mit Lachpausen viel erträglicher. Such Ablenkung, wenn sich bei Euch alles nur noch um den Krieg dreht.

Vielleicht überlegst Du gemeinsam mit dem Kind, welche Möglichkeit Ihr als Familie habt, Unterstützung zu geben. Fantasiere mit Deinem Kind mit! Wenn Du keine reellen Lösungen findest, wird es für Dein Kind kein Beinbruch sein. Die Situation darf auch ins Fröhliche und Witzige laufen.

Viele Kriegsveteranen berichten, dass ein heiteres Lachen viel Zuversicht, Hoffnung und Mut bringen kann. Alle Gefühle gehören zu uns.

Kindersendungen

Bitte schau Dir die Sendungen vorher an und wäge ab, ob Dein Kind hier Antworten auf seine Fragen findet. Es ist von großer Wichtigkeit, dass Du die Sendungen mit Deinem Kind gemeinsam schaust, damit keine Fragen offen bleiben. Du gibst Deinem Kind dadurch Sicherheit. 

Sendung mit der Maus: https://www.wdrmaus.de/extras/mausthemen/ukraine

Kindernachrichten: https://www.zdf.de/kinder/logo

Suche selbst im Internet nach passenden Formaten, mit denen die ganze Familie ihren Wissensdurst befriedigen kann. Ich gebe hier nur Vorschläge an, die ich mit meiner Tochter angeschaut habe. Es gibt wesentlich mehr. Was zu Deiner Familie passt, weißt Du am Besten!

Selbst Unterstützung finden

Gerne kannst Du mit mir Kontakt aufnehmen. Dann können wir überlegen, ob ich Dir die richtige Unterstützung anbieten kann. Schreib mir (info@familienundbeziehungs-kompass.de) oder ruf mich an (+49 172 7009980).

Für eine anonyme Beratung gibt es die Nummer gegen Kummer – Bei allen Fragen, Sorgen und Problemen rund um Ihr Kind in allen schwierigen Zeiten

Unabhängiges Elterntelefon: 0800 111 0 550

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