Mein Hang zum Perfektionismus

Oder

Warum es manchmal besser ist, sich Hilfe von Außen zu holen

Meine kleine Familie ist mein größter Schatz auf dieser Welt. Ich hüte ihn, wie meinen Augapfel. Das nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen ist, schmälert meine Dankbarkeit in keinster Weise!

Denn für mich ist es glasklar! Ohne meinen Mann, meine Tochter und sogar ohne meinen Hund hätte ich ganz viele Dinge über mich selbst nicht lernen können!

Es hat sich schon öfter in meinem Leben und im Zusammenleben mit meiner Familie so angefühlt, als wenn es nicht weitergehen würde! Ich habe an meiner eigenen und unserer gemeinsamen Zukunft gezweifelt. Ich war gezwungen meine Komfortzone zu verlassen und meine Liebsten aus der Komfortzone zu treiben, denn nicht nur einmal dachte ich: Alles ist aus!

Das wollte ich nicht akzeptieren! So machte ich mich auf die Suche nach Lösungen und dieses Mal war mir klar:

Ich kann niemanden ändern außer mich selbst! 

An die Umstände anpassen und hinnehmen, wie es gerade ist, wollte ich aber auf gar keinen Fall. Ich wollte wirklich eine Veränderung.

Aber wie?

Mir war schon immer klar, dass wir in unserer Gesellschaft viel zu wenig über unsere eigenen, tatsächlichen Bedürfnisse nachdenken und auch reden. Was mir nicht klar war, ist die Tatsache, dass sich das 1:1 auf fast jede Familie runter brechen lässt – inklusive meiner eigenen!

“Doch nicht bei mir! Wo ich doch so entwickelt bin und auch noch als Erzieherin und Coach arbeite!? Oder vielleicht doch?”

BUMS! Da war sie! Wieder eine dieser Erkenntnisse, die mich immer erst mal fassungslos machen. 

Mir wurde klar, dass ich vermied unangenehme Gespräche zu führen, um für mich und meine Bedürfnisse einzustehen. Außerdem merkte ich, dass ich meine Bedürfnisse gar nicht erst wahrnehmen wollte. Nach dem Warum fragte ich mich erst mal nicht!

Als „alte Perfektionistin“ und „Kontrolletti“ versuchte ich fast immer die Dinge in meinem Leben mit mir selbst auszumachen. Nach Außen schien immer alles in Ordnung. Die Wohnung glänzte zu jeder Zeit! Ich war fleißig, zielorientiert und hilfsbereit. Meine Dinge erledige ich heute noch als starke Frau gerne selbst! Die wahren, inneren und gut gedeckten Bedürfnisse werden manchmal immer noch mit Shopping, Ausflügen und Essen überdeckt.

Wer kennt das noch?

Es gibt wenige Menschen in meinem Leben, die mir tief in die Seele blicken dürfen. Das bedaure ich manchmal sehr! Aber ich arbeite daran (beispielsweise auch mit diesen Blogartikeln „Randnotizen“). 

Mein Vertrauen habe ich als junge Frau viel zu oft und zu blind verschenkt. So habe ich sehr schmerzhaft über mich lernen dürfen, dass ich zu naiv und vertrauensselig war. Heute kann ich mich etwas besser abgrenzen und mir Halt und Sicherheit vermitteln. Auch wenn es noch ein langer Weg sein wird…

Auf meinem bisher 44 Jahren Lebensweg habe ich immer versucht Schmerzen zu vermeiden. Da war Angriff und Vorausgehen immer die beste Verteidigung. Wenn ich ein blaues Auge nicht umgehen konnte mit dieser Taktik, dann ignorierte ich die Schmerzen einfach.

Meine Art des Perfektionismus ist eine ganz persönliche Art. Eine Art für die ich oft bewundert werde: die starke, taffe Frau, die alles unter Kontrolle hat, die eine tolle Familie und eine schöne Wohnung hat. Die immer Vorbild für andere ist.

“Da ist doch alles im Lot! Da muss doch alles stimmen! Oder?”

Was darunter liegt, habe ich selbst ganz lange nicht sehen können und verstanden.

Seit einer kurzen Zeit, gemessen an meinem Lebensalter, wird mir immer mehr bewusst, dass dieser Perfektionismus Wunden und Schmerzen verdeckt hat. Schmerzen von Wunden, die ich nicht spüren mochte. Sie schieben sich ans Tageslicht. Erst ganz subtil durch Rückenschmerzen, Schmerzen in den Gelenken, Schmerzen im Bauch. Mein Körper berichtet mir schon lange davon!!! Einige Wunden durften schon heilen. Mittlerweile gehe ich liebevoll damit um. Früher habe ich mich dafür gehasst!

Bisher konnte ich allerdings noch nicht alles verstehen, weil mir Puzzleteile fehlten. Dank meiner Arbeit als Erzieherin und Coach entwickle ich ein Bewusstsein dafür, wo ich suchen muss oder wie ich annehmen lernen kann was war!

Je mehr ich es zulasse, je mehr ich hin spüre, je mehr ich den Schmerz akzeptier, desto mehr kann ich ihn für meine Heilung nutzen! 

Aber bis dahin hat es viele Anläufe gebraucht: mehrere Therapien, Burnout-Klinik, Selbstarbeit an inneren Anteilen. 

Ich dachte ich muss nur lange genug in der Scheiße rühren! Ich dachte, je mehr ich mir bewusst mache, desto leichter wird es. Aber Pustekuchen! Heilung kann erst geschehen, wenn genug Raum, Sicherheit und Halt in einem selbst entsteht, um die intensiven Gefühle durchleben zu können, die dahinter liegen – WUT – TRAUER – OHNMACHT! Es tut so lange weh, bis die Wunde sich dann (selbst) schließen kann.

Viele von uns haben gelernt, dass man tapfer sein, es eben aushalten muss. Einige von uns haben tatsächlich gelernt, den Schmerz und all die dazugehörigen und drunter liegenden Gefühle auszuschalten. Das nennt man Dissoziation!

Jahrelanges Training in meiner Ursprungsfamilie führte bei mir genau dazu! Bis ich erst komplett zusammenbrach. Bis mein Körper anfing den Schmerz mehr und mehr und immer heftiger an die Oberfläche zu spülen, dass mein Alltag zur Qual wurde.

Dummerweise hat das den Perfektionismus dann erst mal noch mehr angetrieben. Ein Teufelskreis von sich selbst verstärkenden Glaubenssätzen entstand. Erst seit kurzem gelingt es mir ihn zu durchbrechen – durch Akzeptanz – Vergebung – Selbstliebe! Mir laufen die Tränen während ich hier tippe! Ich habe endlich die Tools mich in der Auseinandersetzung damit selbst zu beruhigen ohne den Schmerz weg zudrücken! Mich in den Arm zu nehmen und mir Trost zu spenden.

Spüre ich den Schmerz meiner Seele kommen, dann versuche ich erst mal bewusst wahrzunehmen, ob ich den Raum für mich halten kann. Dann nehme ich ihn an und schaue, was darunter liegt. Trauer kann ich mittlerweile schon gut durchleben und den Raum dafür halten, auch vor anderen. Es geht natürlich nicht in jeder Situation! Das ist klar! Aber wenn genug Raum da ist und ich den Halt und die Sicherheit finden kann, dann lasse ich den Schmerz kommen, halte ihn aus und versuche hinzuspüren, was darunter liegt. Das fühlt sich erst mal schrecklich an.

Aber wenn ich es zulasse, kann die Wunde sich öffnen und das Gefühl darunter herausfließen lassen. Wie alter Eiter, der meinen Körper viel Kraft gekostet hat. Dannach schließt sich die Wunde ein Stück!

Es gibt ein Gefühl an das ich mich nicht richtig dran traue. Das ist die Wut! Ich habe schon viel von Dami Scharf und Verena König darüber gelernt. Trotzdem brauche ich hier Unterstützung einer Traumatherapeutin oder von traumsensiblen Coaches. 

Dieses Thema gehe ich an! Der erste Termin ist schon gebucht.

Auch Therapeuten und Coaches brauchen hin und wieder Wegbegleiter. Menschen, die uns helfen neue Wege einzuschlagen, um sich nicht auf den alten Wegen zu verirren.

Wenn wir alle lernen unsere Gefühle wahrzunehmen und anzunehmen, sowie die Gefühle unseres Gegenübers da sein zu lassen und auszuhalten, dann können unsere Seelen Heilung erfahren. Heilung und Verbindung entsteht da, wo wir unser Gegenüber und uns selbst mit allem annehmen, was ihn gerade ausmacht!

Alle Gefühle sind gute Gefühle!

Interessiert es Dich, wie Du Dir Sicherheit und Halt schenken kannst? Dann findest Du auf meinem Facebook-Account unter “Monique Löffler” einige wertvolle Tools. Gerne kannst Du mich auch kontaktieren und wir finden eine Möglichkeit unter die Schichten Deines Perfektionismus zu schauen.

Oder Du hältst ihn weiterhin aus bis Du soweit bist einen neuen Weg einzuschlagen!

Artikel mit anderen teilen

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.