Blockierte mütterliche Intuition

Blockierte mütterliche Intuition

Oder:

Wie eine Jahrzehnte alte Schuld meine mütterliche Intuition vernebeln konnte!

Seit Wochen schleife ich ein Gefühl der bleiernen Schwere mit mir rum. Ich weiß nicht was los ist. Ja, es ist Herbst und der Nebel verzieht sich kaum noch. Sonne ist nicht zu entdecken und die Feuchtigkeit macht das Atmen auf längeren Gassigängen mit der Hundiene zur Herausforderung. Zum Glück tut die Bewegung gut. Hundienchen ist zwar der Meinung, das Tempo läßt zu wünschen übrig. Aber mehr geht nicht!

Immer wieder fange ich plötzlich an zu weinen. Beim Gassi-Gang, auf dem Weg zur Arbeit, abends auf der Couch. Einfach so. Was soll das? Na toll! Novemberblues, denke ich und versuche es da sein zu lassen! 

Mit meiner Tochter stimmt auch irgendetwas nicht. Sie versinkt im Chaos ihres Zimmers, hat keine Orientierung im Tagesablauf. Sie benimmt sich wie ein Teenager, in seiner Hochphase. Aber sie ist doch erst zehn Jahre alt! 

Vorpupertät! Na klar! Schon oft gehört…

Nicht nur das schlägt sich mir auf die Körpermitte, mein Zwerchfell ächzt. Da hat schon der Impfdruck hin gewirkt, naja anderes Thema! Manchmal habe ich den Eindruck, irgendetwas schreit darum gesehen zu werden. Aber es ist alles so zusammenhangslos. 

Ein Gespräch mit sehr lieben Freunden bringt mir eine Spur, die zu einer Erkenntnis führt. Ich bin so dankbar, so tolle Menschen um mich herum zu haben. Danke!

Danke, dass ich anfange zu begreifen! 

Meine Tochter sucht nach Halt, nach Grenzen und nach Orientierung. Ja klar! Ich kann ihr das gerade nicht geben. Ich bin ja platt und gehe abends manchmal vor ihr ins Bett! Sie macht sich außerdem Sorgen. Immerhin war ich mal chronisch krank!

Bis vor ungefähr vier Jahren habe ich eine unentdeckte Borreliose mit mir rumgeschleppt. Die hat mir und meiner Familie ordentlich zugesetzt. Das wirkt nach! Leider! Manchmal dachte ich, ich werde mein Kind nicht mehr aufwachsen sehen. Also schleppt sie jetzt auch noch diese Angst erneut mit sich herum. 

Puuuuh! Schwere Kost! Ich versichere Ihr, dass ich nicht wieder krank bin. Ich versuche außerdem, Kind gerecht verpackt, die Situation in mir zu erklären. Sie ist erleichtert.

Als Coach komme ich natürlich auch auf den Gedanken, dass mir meine Situation UND mein Kind etwas spiegeln will. Mir wird klar:

Ich vermisse meine Leichtigkeit!

… und beginne zu überlegen, was mir die aktuelle Situation, mein Kind und das Bleikorsett auf meinem Körper quasi unmissverständlich aufzuzeigen versuchen. Ich komme nicht drauf und suche Hilfe bei einer verdammt guten BioSomatikerin, Birgit Diel (sowas ähnliches wie eine Heilpraktikerin, aber mehr! Den Kontakt verlinke ich Euch hier.) 

Als gute Schülerin bei meiner Enneagramm-Spezialistin Xenia Pompe von Treffpunkt-Enneagramm suche ich natürlich auch in meinem Enneagramm-Typ nach einer Idee. Und prompt serviert mir meine Seele einen Applaus in Form von einer heftigen Heulattacke.

Bumms! Da ist sie wieder diese 8ter Enneagramm-Typ Schuld-Thematik.

Man, oh man. Hört das eigentlich auch mal irgendwann auf? Ich scheine es anzuziehen. Aber es fällt mir von mal zu mal leichter ein Päckchen zu packen, in das ich imaginär alles reinlege, was ich mir an Schuld in meinem Leben so habe auferlegen lassen. Auch das imaginäre Verladen auf ein Boot und das Für-Immer-Verabschieden gelingt mir gut.

Irgendwie finde ich trotzdem immer noch was. Ein Satz von Birgit hilft mir:

Versuche in Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen zu denken! Streiche Schuld!

Ich setze die Dinge in Zusammenhang. Die Last wird ungleich weniger. Aber es tut sich etwas. Ich muss mir aktiv sagen, dass ich Geduld haben muss!

Der größte Brocken kommt mir dann schlagartig eines abends nach meinem Besuch bei Birgit in den Sinn. Ich merke, dass ich eine riesiges Paket vergessen habe, als sich Bilder und dazugehörige Gefühle und Emotionen nach oben schieben. Eine Vergebungsmeditation von Veit Lindau bringt mich auf die Spur! Ich sehe immer mehr Bilder aus meiner Jugendzeit und weiß direkt, worum es geht!

Im Alter von 16 Jahren habe ich meine damals ca. 12 Jahre alte Cousine verraten! 

Wenn ihr die Geschichte lesen wollt, dann könnt ihr sie hier nachlesen. Aber Achtung: Keine leichte Kost! Außerdem will ich hier keine Abrechnung oder ein an den Pranger stellen erreichen! Ich will Augen öffnen für Dinge, die manchmal gar nicht so weit weg sind. Zu letzt hilft mir dieser Artikel auch, etwas zu verarbeiten, was mich bis vor ein paar Tagen in meinem jetzigen Leben extrem stark beeinflusst hat! Nicht zu letzt, weil sogar meine Tochter darunter leiden musste.

So kam es zu dem Verrat von meiner Seite!

Meine Cousine war immer ein aufgewecktes Mädchen. Ich habe sie geliebt und tue es immer noch. Sie hatte eine schwierige Kindheit. Alle haben versucht sie zu unterstützen. Aber es war scheinbar nicht genug! Ihr fehlte das Urvertrauen und der Glauben an Ihre eigene Kraft, dass sie ihr Leben in die Hand nehmen kann. Ihr Enneagramm-Typ hat sicherlich auch mit der ein oder anderen Entscheidung von ihr beigetragen.

Die schiefe Bahn lud sie kurz nach Mauerfall ein eine Drogenkarriere zu starten. Kein Netz mit doppeltem Boden war zu dem Zeitpunkt in Leipzig vorhanden. So dass sie keine Alternativen und vor allem keine Hilfe fand. Auf so etwas war der Bezirk, in dem sie wohnte nicht vorbereitet. Es fehlten Betreuer, die sich damit auskannten. Auch die Unsicherheit der Menschen in Leipzig wirkte sich extrem auf die Jugendlichen aus. Halt gab es kaum!

Wo sollte sie also Hilfe bekommen?

Sie hat verzweifelt nach Hilfe gesucht. Sich mir (selber noch völlig grün hinter den Ohren) mit ihrem Drogenproblem anvertraut als sie bei uns zu Besuch war. Wir haben damals viel geredet und sie hatte vollkommenes Vertrauen zu mir. Als 16 jährige war ich überfordert mit diesen ganzen Informationen. Ich wusste nur aus Schulprogrammen zur Aufklärung, dass ich etwas unternehmen sollte. Aber was? 

Erst mal entschied ich mich, meine Tante auszuhorchen und zu fragen, ob ihr was aufgefallen ist. Sie erzählte mir ein paar Dinge, die sie über die Freunde ihrer Tochter wusste. Einige sehr unschöne Dinge kamen zu Tage. Auch der neue Freund ihrer Tochter war ihr suspekt! 

Ich kam öfter zurück in meine alte Heimatstadt, um für meine Cousine wenigstens ab und zu da zu sein. Dabei erlebte ich Dinge, die ich nie für das wahre Leben gehalten hatte. Es gibt so viele Filme, in denen Stunts mit quietschenden Reifen und auf fahrende Autos springende Menschen gezeigt werden. Ich fand sie immer spannend und fieberte mit. Aber es war Fiction!

Oder etwa nicht?

Eine dieser surrealen Fahrt habe ich leider in echt miterlebt!

Nach, beziehungsweise während eines Bar-/ Discobesuches mit meiner Cousine wurde ich plötzlich von ihr aus dem Laden gezogen und in einen leeren Transporter hinten rein bugsiert. Ihre Worte waren: „Halt Dich fest und stell keine Fragen!“.

Sie war zwölf oder dreizehn Jahre alt!!!

Ich fühlte mich, wie in einem Film. Auch Irgendwie gefühlstaub! Anfangs lächelte ich noch, weil ich ein nettes Abenteuer erwartete. Aber dem war nicht so. 

Nach und nach stiegen ein paar Teenies ein. Ich hörte Satzfetzen, wie: „Warum hast Du die bloß mitgeschleppt.“, „Die sollte das hier nicht mitbekommen!“. Bremsen quietschten, ich konnte mich gerade so noch festhalten. Die hinteren Türen flogen auf. Ein junges Mädchen, völlig in sich zusammengesackt wurde hineingehieft und krümmte sich auf dem Boden des Autos. Jemand schrie: „Fahr! Fahr endlich los, man!“. 

Meine Cousine jammerte: „Scheiße! Eine Überdosis!“. Alle wurden ruhig. Ein anderes Mädchen schrie: „Was sollen wir tun verdammt! Sie wird sterben!“.

Wieder quietschende Reifen. Ich werde von meiner Cousine aus dem Auto gezerrt mit der Anweisung:

„Hier ist der Schlüssel! Du gehst jetzt hoch und wirst mit niemandem darüber reden!“.

Ich stehe mit offenem Mund am Bürgersteig vor der Wohnung meiner Tante und wiederholte stumm die Anweisung meiner Cousine: „Du gehst jetzt hoch und wirst mit niemandem darüber reden!“.

Das tat ich! Ich schlief keine Minute und musste am nächsten Morgen sehr früh zur Bahn, um nach Hause zu fahren. Montags startete wieder die Schule. Zu Hause erzählte ich wie toll der Disco-Besuch war und vergass, was passiert war.

Wie die Geschichte ausging, weiß ich nicht. Ich habe mich erst mal vollkommen zurückgezogen. Irgendwann habe ich noch mal versucht mit meiner Cousine zu reden, bei einem Besuch bei der späteren Entziehungskur, als sie versucht hat in meiner Nähe ihrer Vergangenheit zu entkommen und dann noch mal bei einem Besuch bei meiner Oma zu Weihnachten. Ihre Abwärtsspirale war ihr anzusehen!

Mein Verantwortungsgefühl sprengte mir mein hilfloses Herz! Aus Selbstschutz musste ich allerdings loslassen. Das tat ich irgendwann und vergaß, mein Unterbewusstsein scheinbar nicht…

Und was hat das jetzt mit meinem heutigen Leben zu tun?

Heute weiß leider keiner mehr, wo sie sich aufhält oder wie es ihr geht! Trotzdem muss ich ganz oft an sie denken. Vor allem dann, wenn ich meine Tochter anschaue.

Manchmal lacht sie wie meine Cousine. Manchmal ist sie zickig wie meine Cousine. Vor allem aber trägt sie den gleichen Enneagramm-Typen wie meine Cousine.

Das triggert mich!

Mir blutet das Herz und ich rede mir ein, ich hätte es besser, anders, gut machen müssen…

Ganz oft mache ich mir dann auch Sorgen um die Zukunft meiner Tochter. Und dann passiert, was nicht sein sollte. Ich vermische meine unverarbeitete “Jugendschuld” mit dem Hier und Jetzt. Noch schlimmer ich halte mich jetzt schon für die Schuldige, sollte in der Zukunft meiner Tochter was schief gehen. 

Alter Verwalter! Was für eine gequirlte Scheiße! Entschuldige den deftigen Ausdruck!

Mein Kopf kann ganz klar trennen zwischen meiner Cousine und meiner Tochter, zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. 

MEIN HERZ ganz oft NICHT!

Ich trage eine unverarbeitete Schuld in meinem Herzen, die sich in den nebeligen Novembertagen einen Weg nach oben gebahnt hat. Was für ein Glück! Ich kann endlich sehen, was los ist. Ich kann endlich damit arbeiten! Ich kann mich befreien und mir selbst verzeihen!

Das Bleigewicht fällt von meinem Körper, meinem Herzen, meiner Seele. 

Ich habe neue Kraft, um meiner Tochter Halt und Orientierung zu bieten. Ich habe neue Ideen für meine Webseite, mein Seminar, mein noch nicht gestartetes Projekt. Es fließt und sprudelt nur so aus mir heraus. 

WAHNSINN! Ich bin so dankbar, dass ich hinhören durfte! Danke November! Danke an meine Tochter! Danke an meine Freunde! Danke an meinen Mann für den Halt und die lieben Worte!

Bitte achte immer gut darauf, was Dein Körper dir sagen will und Dein Umfeld Dir spiegelt. Sprich ehrlich mit Deinen Freunden. Sei nett und liebevoll, vor allem zu dir selbst!

Willst Du mehr über das Thema Schuld wissen?

Das Gefühl Schuld, ist ein Gefühl, das wir uns aufladen lassen, weil wir in eine Situation geraten sind, die unsere gefühlte Sicherheit und unseren Selbstwert verletzt. Ein selbstsicherer Mensch lässt das links liegen, was unsichere Menschen in die Schuld führt.

Alles was Dich trifft, betrifft Dich [und Dein Sein]!“

Daniel Paasch, IPE

Das bedeutet: In den Momenten, die Dich auf irgend eine Weise treffen bzw. triggern, fehlt Dir etwas. Etwas das Dir Selbstsicherheit, Selbstbestimmung und Selbstwert gibt. Alte unbearbeitete Dinge wollen angesehen werden. Oft wollen wir aber nicht hinsehen, hinhören, hinfühlen.

Warum ist das so???

Es gibt mehrere Gründe. Oft stecken Glaubenssätze dahinter, die dafür sorgen, dass Du in Deiner Komfortzone bleiben möchtest. Das bißchen Schuld lässt sich besser ertragen, als der Gedanke sich auf einen unbekannten neuen Weg zu machen. Wer weiß, was da auf einen zukommt?!

Wenn Du Dir aber der Situationen bewusst wirst, die Dich triggern, kannst Du es leichter annehmen und durch Dich durchlaufen lassen. Noch besser ist es den Auslöser zu bearbeiten. Das kann man mit etwas Übung manchmal auch gut alleine. Es gibt Methoden und Techniken, die jeder erlernen kann.

Mit verschiedenen Methoden, z.B. dem EFT (emotional freedom techniques) oder der ReStepping-Methode, kannst Du Dich emotional davon loslösen. Auch Meditationen, zum Beispiel zum Thema Vergebung, helfen bei der Bearbeitung. Damit kannst Du beispielsweise lernen, Dich nicht mehr so schnell in das Gefühl der Schuld bringen zu lassen und selbstbewusster werden. Sprich mich gerne an, wenn Du Hilfe benötigst.

Lass Dir keine Schuld aufladen! Aber vergib Dir und anderen für das was geschehen ist. Das heißt nicht, dass Du alles hinnehmen sollst. Es bedeutet zu akzeptieren, dass in der Vergangenheit, in dieser Situation keine andere Entscheidung getroffen werden konnte. Von Dir nicht und auch nicht von Deinem Gegenüber!

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